Das Kaltluftentstehungsgebiet der Beverau ist erneut in Gefahr!
Die Bundeswehr plant auf der Beverau eine Erweiterung der Dr. Leo Löwenstein-Kaserne. Die konkrete Planung ist nicht einmal der Stadt bekannt, aber es scheint festzustehen, dass mindestens die komplette Wiese zwischen der Kaserne und Gut Schönthal betroffen ist und eine gigantische Dimension der Bebauung im Raume steht. So sind mehrere Unterkunfts- und Hörsaalgebäude sowie Ausbildungshallen für große Fahrzeuge angedacht.
Die geplante weitgehende Versiegelung insbesondere der Fläche zwischen Gut Schöntal und Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne könnte für Aachen jedoch dramatische Folgen haben. Es handelt es sich dabei nämlich um ein - besonders großes und stadtnahes – Kaltluftentstehungs- und Durchzugsgebiet; u.a. das Geografische Institut der RWTH Aachen riet deshalb bereits im Klimagutachten aus 2000 von einer dortigen Bebauung kategorisch ab („Bebauungsgrenzen streng einhalten“). Denn die in der Bever-Aue produzierte Kaltluft fließt über das Beverbachtal, die Siedlung Beverau und das sog. “Belgier Viertel” in das tiefer gelegene Frankenberger Viertel und teilweise auch in das Kurgebiet Burtscheid. Die unmittelbar am Nellessenpark entstehende frische Kaltluft vermischt sich mit dem aus der Nordeifel einströmenden Kaltluftstrom. Dies bewirkt neben einer deutlichen Absenkung der Temperaturen im Stadtgebiet auch einen Austausch oder zumindest eine Durchmischung von schadstoffbelasteter Luft. Bei Hochdruckwetterlagen gelangt oftmals nur über diese Kaltluftströme Frischluft in die Innenstadt.
Für eine Stadt wie Aachen mit ihrer Talkessellage kann eine Reduzierung der somit essenziell wichtigen Kaltluftproduktion auf der Beverau einen Effekt von gefährlicher Dimension verursachen. Denn jedes große Bauvorhaben auf bisherigen kühlenden und kaltluftdurchleitenden stadtnahen Grünflächen kann dazu führe, dass die durch die Sonnenstrahlung eingebrachte Hitze nicht mehr kompensiert werden kann. Dies hat ein Potenzial für zusätzliche Todesfälle bei zukünftigen gleichartigen Hitzeperioden hat, wie sie zuletzt stattgefunden haben. Auch wenn der Sommer 2026 überdurchschnittlich heiß gewesen sein mag, ist die Fortsetzung eines Trends der letzten Jahre klar erkennbar. Und die Zahl der Hitzetoten ist erschreckend angestiegen (vgl. die für den Sommer 2026 erhobenen Daten des RKI zur statistischen Übersterblichkeit durch Hitze unter https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-rki-zu-wetter-und-hitze-rekord-zahl-an-hitzetoten-in-nrw-100.html).
Neben den positiven Auswirkungen auf das Stadtklima und die Lufthygiene ist die Beverau auch aus vielen anderen Gründen als Freifläche zu erhalten. Von großer Relevanz ist z.B. das Schutzgut Wasser. Denn bei der in Rede stehenden Wiese handelt es sich auch um ein Quellgebiet mit unterirdischen Zuläufen zum Beverbach. Anwohner berichten, dass die Weide bei starkem Regen in großen Teilen unter Wasser stehe. Nicht abzusehen ist, welche Auswirkungen eine dortige Versiegelung des Bodens auf die Grundwassersituation der näheren Umgebung und die Entwässerung des Talkessels haben wird.
Nach einem ähnlichen Versuch im Jahre 2000 wurde im Sommer 2014 bekannt, dass ein Spekulant beantragt hatte, Flächen am Eselsweg in Bauland umzuwandeln. Derartige Überlegungen stießen bei mehreren tausend Aachenerinnen und Aachener aus den vorstehenden Gründen sofort auf Ablehnung. Auch in der seinerzeitigen Umweltprüfung der Stadt Aachen aus dem Jahr 2014 heißt es, dass eine Umwandlung dieses Landschaftsschutzgebietes in Bauland mit sehr erheblichen Auswirkungen auf die Landschaft, Pflanzen und Tiere, das Grundwasser und das Klima verbunden sei. Darüber hinaus seien erhebliche Auswirkungen auf den Boden und auf Oberflächengewässer zu befürchten. Fazit: „Die Planung ist mit erheblichen Auswirkungen auf das Schutzgut Mensch verbunden.“
Von besonderer Bedeutung war schon damals, dass die im Februar 2016 eingerichtete Umweltzone an die Adenauerallee und damit unmittelbar an das in Rede stehende Wiesengelände auf der Beverau grenzt. In diesem Geltungsbereich des Luftreinhalteplans waren und sind Verbesserungen der Luftqualität dringend notwendig, so dass die Frischluftzufuhr nicht beeinträchtigt werden darf.
Überdies würde die – ohnehin sehr schwierige – Erschließung des Gebietes am Eselsweg mit erheblichen Verkehrs- und Lärmproblemen verbunden sein, weil die Adenauerallee zwischen der Beverau und dem Tunnel an der Trierer Straße schon jetzt extrem stark befahren ist.
Zum Erhalt des Landschaftsschutzgebietes hatte sich im Sommer 2014 die Bürgerinitiative "Erhalt des Landschaftsschutzgebietes Eselsweg - Beverau" gegründet. Sie wurde von Herrn Lutz Dechamps und Frau Irma von Agris vertreten. Am 25. September 2017 wurde der “Umwelt- und Landschaftsschutz Aachen-Beverau e.V.” gegründet. Er ist Mitglied der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU), einem anerkannten Naturschutzverein.
Nach jahrelangen Diskussionen fand sich schließlich im Rahmen des Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplans ein ganz breiter politischer Konsens für eine „grüne“ unversiegelte Beverau. Dementsprechend setzte sich die Stadt Aachen auch dafür ein, dass keine Fläche am Eselsweg im Regionalplan Köln als Siedlungsbereich ausgewiesen wurde.
Es war bemerkenswert, dass sich unsere Entscheidungsträger neben zahlreichen anderen auch problematischen Prüfflächen so eingehend mit der Beverau beschäftigt und eine umsichtige Folgenabwägung getroffen haben. Die Bedenken aus der Bürgerschaft und den städtischen Fachleuten wurden ernst genommen und professionell reflektiert. Soweit ersichtlich besteht auch jetzt Einigkeit, dass jede Versiegelung der Wiesenfläche auf der Beverau zum Wohle der Aachener Bevölkerung vermieden werden sollte.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!